Lesungen für die Hochzeitsmesse

 

In der römisch katholischen Kirche empfängt ein Paar während der Trauung das Sakrament der Ehe. Es vertraut sich damit der Liebe Gottes an. In der evangelischen Kirche ist es der Segen für das gemeinsame Leben, welchen das frisch vermählte Paar empfängt. Im Zuge der Hochzeitsmesse wird dabei eine Lesung gehalten, welche die Aufgabe hat, das Paar auf seine christliche Verantwortung hinzuweisen. Auch wird die Ehe darin als Gabe Gottes gepriesen.

Meist werden Texte aus der Bibel für die Hochzeitslesung ausgewählt, aber auch alternative Texte kommen oftmals zum Einsatz. Der beliebteste biblische Text, der für Lesungen in Hochzeitsmessen herangezogen wird, ist „Das Hohelied der Liebe“ aus dem ersten Brief der Korinther. Auch Textpassagen aus „Der Prophet“, einer Sammlung spiritueller Essays des libanesisch-amerikanischen Dichters Khalil Gibran, werden häufig zu diesem Anlass gewählt.

Beliebte Texte für Hochzeitslesungen aus dem Alten Testament

– Die Erschaffung der Welt

– Das Paradies

– Isaak und Rebekka

– Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott

– Der barmherzige Gott schenke euch viel Glück

 

 

Geeignete Texte für Hochzeitslesungen aus dem Neuem Testament

– Jubel im Himmel

– Die Gewissheit der Glaubenden

– Aufforderungen zu einem Leben aus dem Geist

– Das grundlegende Gebot

– Aufruf zur Einmütigkeit in der Gemeinde

– Das Hohelied der Liebe

 

 

Lesung aus „Der Prophet“ von Khalil Gibran

Eine der in Hochzeitsmessen häufig zitierten Passagen aus „Der Prophet“ ist diejenige, in der Almitra den Meister zur Ehe befragt. In seiner Antwort prophezeit der Meister, dass sie und ihr Partner für immer zusammen bleiben werden, doch er spricht auch mahnende Worte und zeigt auf, welche Fehler man in einer Ehe nie machen sollte. In erster Linie geht es dem Meister in der Geschichte darum, dass man einander in einer Beziehung – oder Ehe – nicht einengen darf. Die Liebenden sollen Raum zwischen einander lassen und „die Winde des Himmels“ zwischen sich tanzen lassen.

Die Freiheit und Identität des Einzelnen sollen gewahrt werden, mahnt er an, sodass die Liebe nicht schließlich zur Fessel für einen oder beide Partner wird. Beide Ehepartner sollen einander zwar den Becher füllen, und doch nicht aus dem gleichen Gefäß trinken. Natürlich sollen die Liebenden zusammen glücklich sein – jedoch sollen sie sich nicht ausschließlich übereinander definieren, sodass sie alleine nicht mehr glücklich sein können. Sie sollen ihre Herzen nicht gänzlich in die Hände des anderen legen, denn, so der Meister in der Geschichte, nur die Hand des Lebens könne die Herzen der Liebenden umfassen. Auch sollen die Ehepartner nicht den Fehler machen zu glauben, sie könnten den Lauf der Liebe lenken.

Denn es ist genau andersherum, gibt der Meister zu bedenken: Die Liebe lenkt den Lauf derer, die sie für würdig befindet. Der einzige Wunsch, den Liebende daher haben sollten ist der, „mit beflügeltem Herzen zu erwachen“, für die erfahrene Liebe dankbar zu sein und beim Einschlafen stets ein Gebet für den geliebten Menschen im Herzen zu tragen.

 

Zitat:

(Dann sprach Almitra abermals und sagte: Und was ist mit der Ehe, Meister? Und er antwortete und sprach:) Ihr wurdet zusammen geboren, und ihr werdet auf immer zusammensein. Ihr werdet zusammensein, wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.

Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein. Aber lasst Raum zwischen euch. Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen. Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel: Lasst die eher ein gewogenes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein. Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher. Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib. Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein. So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern. Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut. Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen. Und steht zusammen, doch nicht zu nah: Denn die Säulen des Tempels stehen für sich, und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.

Und glaubt nicht, ihr könnt den Lauf der Liebe lenken, den die Liebe, wenn sie euch für würdig hält, lenkt euren Lauf. nd einem Lobgesang auf den Lippen.

Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen. Aber wenn ihr liebt und Wünsche haben müsst, dann solltet ihr Euch dies wünschen: Bei der Morgenröte mit beflügelten Herzen zu erwachen und für eine weiteren Tag des Liebens dankzusagen. Und am Anbend einzuschlafen mit einem Gebet für den geliebten Menschen im Herzen.

 

 

 

 

von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.