Alternative zur kirchlichen Trauung 

 

Während eines Vortrags von Jochen J. über die Hochzeit außerhalb der Kirche, berichtet er offen über die eigenen Erfahrungen. Vor etwa zwölf Jahren war er katholischer Seelsorger in einem Krankenhaus. Dort verliebte er sich in eine Ärztin und entschied sich für das Leben mit ihr. Mit der katholischen Kirche geht das natürlich nicht. In der Folge lernte er zahlreiche Paare kennen, die Probleme mit der Kirche, nicht nur mit der katholischen, hatten, jedoch aus einem tiefen Wunsch heraus, einen Segen und eine Zeremonie im christlichen Sinne für ihre Ehe wünschten. Diesen Paaren bietet er, gemeinsam mit mehreren Kollegen, Alternativen zur kirchlichen Hochzeit an.

Für Paare, die auf eine kirchliche Trauung verzichten müssen oder wollen, denen aber dennoch daran gelegen ist, ihre Eheschließung dem göttlichen Segen und dem christlichen Glauben zu unterstellen, bietet sich die Möglichkeit einer Freien Trauung an.

Speziell katholische Paare, denen die Kirche aus verschiedenen Gründen die kirchliche Trauung verwehrt, haben dadurch die Möglichkeit, an einer Zeremonie teilzunehmen, die als echte Alternative zur kirchlichen Trauung bezeichnet werden kann. Aber auch alle anderen Paare sind eingeladen, die Zeremonie nach eigenen Wünschen zu gestalten und zu vollziehen.

 

© Erich McVey

 

 

Die Zeremonie äußerlich gestalten und innerlich bejahen

Die Zeremonie selbst kann von ausgebildeten Theologen oder auch von „Laien“ durchgeführt werden – entscheidend ist hier der Wunsch des Brautpaares. Auch an der übrigen Gestaltung der Ehezeremonie ist das Paar grundlegend beteiligt. So kann es über den Ort, an dem die Trauung stattfinden soll, ebenso mitentscheiden wie über die Ausstattung und über die Frage, ob Trauzeugen und weitere Gäste anwesend sein sollen oder nicht.

Denn bei einer Freien Trauung stehen nicht die äußeren Rahmenbedingungen im Vordergrund, sondern der Entschluss des Paares einander die Treue zu geloben. Daher ist es auch nicht von Bedeutung, dass die Ehe innerhalb einer Kirche geschlossen wird, wichtiger ist, dass die inneren Werte, die Menschen zu einer Eheschließung bewegen, offen dargelegt und in Liebe gelebt werden können. So jedenfalls sieht es der Theologe Jochen J., der die Freie Trauung ursprünglich ins Leben gerufen hat und selbst praktiziert. Denn nicht die vordergründige Zugehörigkeit zu einer Kirche, sondern die Suche nach Gott sollte für den gläubigen Christen entscheidend sein.

 

Zeit für ein persönliches Gespräch

Der genaue Verlauf der Freien Trauung wird mit dem Brautpaar gemeinsam besprochen. Grundsätzlich findet vorab ein persönliches Gespräch statt, sodass Brautpaar und Redner oder Theologe Gelegenheit haben, einander vor der Trauung kennenzulernen. Dabei wird u.a. auch geklärt, welche Vorstellungen das Braupaar von der Trau-Rede hat und es wird ersichtlich, ob Brautpaar und Theologe menschlich miteinander harmonieren.

Darüber hinaus hat das Paar die Möglichkeit, einen Musikwunsch für den Einzug zu äußern, auch der Text, der zur Grundlage der Lesung während der Trauung wird, kann hier gemeinsam ausgesucht werden. Ein weiterer Vorteil, den die Freie Trauung gegenüber der kirchlichen bietet, ist, dass die Paare auch die Trauungszeit den individuellen Bedürfnissen und Wünschen anpassen können. Denn die Trauung kann je nach Wahl abends oder morgens oder auch als Mitternachtstrauung vollzogen werden. Die meisten Paare entscheiden sich jedoch für die Trauung am Samstagnachmittag, sodass diese oft auf lange Zeit ausgebucht sind. Dies sollte das angehende Brautpaar bei der Terminwahl berücksichtigen.

 

Ablauf der Freien Trauung

Für die Zeremonie sollten – je nach gewählter Variante – durchschnittlich 45 Minuten eingeplant werden. Die Zeremonie beginnt mit dem feierlichen Einzug des Paares und der anschließenden Lesung. Dann wendet sich der Trauende in einer kurz gehaltenen, persönlichen Ansprache an das Brautpaar, das schließlich seinen Wunsch durch das Eheversprechen und die Beantwortung der Traufrage bekräftigt. Sind Gäste geladen, so sollte das Brautpaar dabei diesen zugewandt stehen, damit sie wirklich in das Geschehen einbezogen sind.

Dies entspricht auch dem darauf folgenden abschließenden Teil der Zeremonie, in dessen Mittelpunkt Symbole und Riten stehen, die Ernsthaftigkeit und Freude über den geschlossenen Bund zum Ausdruck bringen. Denn die Freie Trauung lässt sich zwar als Alternative zur kirchlichen Trauung verstehen; sie will aber keinesfalls die Ernsthaftigkeit, mit der angehende Eheleute vor den kirchlichen Altar treten, ersetzen oder abschaffen. Auch bei der Freien Trauung soll ein Bund fürs Leben geschlossen werden, nicht für ein paar Jahre in Partylaune.

 

Für wen die Freie Trauung geeignet ist

Eine Freie Trauung kommt also für Paare infrage, die sich der Ernsthaftigkeit ihres Entschlusses bewusst sind und die auf den Segen Gottes nicht verzichten wollen, auch wenn die Kirche ihnen diesen verweigert. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn einer der beiden Partner zuvor das Zölibat abgelegt hatte – so jedenfalls war es bei dem Theologen Jochen J. Aber auch andere Gründe sind denkbar: etwa eine überkonfessionelle oder gleichgeschlechtliche Eheschließung, eine zweite Ehe nach vorangehender Scheidung oder die Abkehr von der Kirche, nicht aber vom christlichen Glauben. Eine Ehe, die Bestand haben soll, muss viele Klippen umschiffen, wird oft auf die Probe gestellt. Paare, die es geschafft haben, einander in guten wie in schlechten Zeiten treu zu bleiben, gehören daher ebenso zu den Kunden von Jochen J. und anderen Theologen, die Freie Trauungen anbieten. Denn die Zeremonie erweist sich auch als besonders kraftvoll, um den einstmals geschlossenen Bund zu erneuern und zu bestätigen. Und auch Paare, die von der Kraft der Zeremonie überzeugt sind, aber keine religiöse Einbettung wünschen, können sich für eine Freie Trauung entscheiden.

 

 

 

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