Die Verlobung und ihre Geschichte

 

Die Geschichte der Verlobung ist auch Ausdruck der Wandlung der Ansprüche und Erwartungen an eine eheliche Bindung. Wo heute das Heiratsversprechen einen romantischer Akt und die zärtliche Willensbekundung für eine gemeinsame Zukunft darstellt, ist die Verlobung im ursprünglichen Sinne als Vertrag für die Bindung zweier Menschen anzusehen. Lange waren Verlöbnisse das Ergebnis formal arrangierter Ehen und es war nicht ungewöhnlich, dass Eltern ihre Kinder bereits einander verlobten noch ehe das Brautpaar alt genug war, um zu heiraten.

 

 

Wurzeln im jüdischen Gesetz

Die Ursprünge werden weit an den Ursprung der jüdischen Glaubensausübung zurück geführt, wonach die Ehe aus zwei getrennten Rechtsakten begründet wird. Erusin (oder Kidduschin) bedeutet Heiligung und umfasst den Akt der Verlobung vor Zeugen, während nissu’in oder Chuppa die eigentliche Hochzeitzeremonie bezeichnet. Dies wurde später in der griechischen Antike ähnlich übernommen, hier als gamos und engeysis. In der jüdischen Tradition bis zum 6. Jh. n. Chr. lag zwischen Verlobung und Hochzeit in der Regel ein Zeitraum von bis zu einem Jahr, währendem die Braut mit ihren Eltern lebte. Ab dem Mittelalter etablierte sich die Praxis, beide Rituale als kombinierte Zeremonie in der Öffentlichkeit zu vollziehen.

 

Foto: Adora-Studio

 

 

Versprechen und Aushandeln – von Romantik keine Spur

Die Verhandlungen zwischen den verschiedenen Familien waren ein Spiel mit komplexen Regeln. Nicht nur die orthodoxen Juden bedienten sich daher professioneller Heiratsvermittler, auch andere Kulturen in Indien, Afrika oder arabischen Ländern kannten diese Vorgehensweise und bedienen sich ihrer noch heute. Oftmals erhielt die (junge) Braut jedoch ein Vetorecht. Nach erzielter Einigung erfolgte die Segnung von den Eltern oder der Geistlichkeit, wonach zwischen den Verlobten Gelübde ausgetauscht und die Verträge unterzeichnet wurden. Diese waren oft nach bis über den Tod der Eltern hinaus bindend. Eine Verletzung dieses Eheversprechens konnte die Forderung nach Entschädigungszahlungen mit sich ziehen, die sogar die Höhe der Mitgift erreichen konnten, denn die verlobten Paare wurden rechtlich als Mann und Frau angesehen.

 

 

Symbol der Verlobung – der Ring

Auch die Tradition des Ringes entstand aus dem Judentum wonach ursprünglich ein goldener Nasenring der Braut als Äquivalent in Geld aufgewogen wurde. In der römischen Epoche etablierten sich die Ringe als romantisches Symbol der Liebe und Hingabe zwischen zwei Menschen. Da die Römer davon ausgingen, dass der Kreis eine ewige Bindung zwischen den beiden Menschen darstellte, trugen sie ihn auf dem vierten Finger, denn vom Ringfinger führt eine Vene zum Herzen. Diese Tradition kannten sowohl die Römer als auch die Ägypter bereits in der Antike. Getragen wurde sie nur von Frauen. Damit konnten die Männer erkennen, ob die Dame bereits vergeben ist. Der Ring war auch die Empfangsbestätigung der Mitgift, die die Braut mit in die Ehe zu bringen hatte.

Bei uns ist der Verlobungsring heute Symbol für Liebe, Hingabe und Verpflichtung dem Partner gegenüber. In den südlichen Ländern Europas ist der Verlobungsring mit hellem Edelstein Tradition. Traditionell rechts getragen, wechselte der Ring bei der Hochzeitszeremonie von der rechten auf die linke Hand.

In den USA ist es Tradition, dass der Verlobungsring ca. 3 Monatsgehälter Wert ist. Das bedeutet, dass der Ring meist mit entsprechend wertvollem Stein, etwa einem einkarätigem Diamant und einer Ringschiene aus Platin versehen ist. Der Ring hat die Form eines Kreises und somit die Form des Vollmondes und der Sonne. Daher ist es nicht verwunderlich, dass alte Kulturen ihn als Symbol der Perfektion, der Einheit und der Unendlichkeit sahen.

 

 

 

Um die Liebste freien

Mit der zunehmenden Freiheit, die Partnerschaft selbst wählen zu können, etablierten sich in den Kulturen die verschiedensten Bräuche, um bei den Eltern um die Hand der Liebsten anzuhalten. Ein Ja umfasste sozusagen die offizielle Verlobung. Viele Sprichwörter und Redensarten zeugen noch heute davon. Je nach gesellschaftlichem Stand ging es dabei mehr oder weniger förmlich vonstatten.
Die adlige Gesellschaft debütierte die Mädchen im heiratsfähigen Alter auf Bällen, an dem die Mütter der heiratsfähigen jungen Männer die „Auswahl“ begutachten konnten. Freilich spielten Einfluss, Besitz und Titel immer noch eine wesentliche Rolle und strategisch kluge Hochzeiten wollten eingefädelt werden. Nach (unausgesprochenen) Regeln wurde den Anwärterinnen der Hof gemacht und nach einer Einigung eine Verlobung in die Wege geleitet. Die Burschen der einfacheren Stände warben ebenfalls nach regional unterschiedlichen Gebräuchen um ihr Mädchen. Das gegenseitige Versprechen vor dem heimatlichen Geistlichen ging hier zum Teil einher mit Prüfungen im Lesen und im Katechismushersagen. Erwiesen sich die Betreffenden als zu schwach und wurden vom Geistlichen zurückgewiesen, so war das natürlich eine große Schande für Eltern und Brautleute.

 

So entwickelte sich zunehmend bis in die Gegenwart eine Lockerung der Beschränkungen vor allem in Bezug auf den körperlichen Kontakt zwischen den Partnern, der normalerweise streng verboten war. Die Verlobungszeit etablierte sich als eine vorbereitende Zeit, in der das Brautpaar viel Zeit miteinander verbringt und voneinander lernt. Heute liegt die Dauer einer Verlobung und die Bedeutung, die ihr beigemessen wird, weitestgehend in den Händen der zwei Beteiligten selbst. Wie auch immer, es ist nicht nur romantische Verklärung sondern auch ein erster Schritt in ein langes gemeinsames und verantwortungsvolles Leben mit- und füreinander.

 
 
 

 

 
 

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